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Theorie des gehobenen Blödsinns

oder

Bevölkerungsexplosion als Folge der Schädlingsbekämpfung

 

Gliederung:

 

1. Vorbemerkung

2. Allgemeine Merkmale einer Theorie des gehobenen Blödsinns

3. Die hier zu untersuchende Hypothese

4. Erster Einwand: Falscher Ort der Bevölkerungsstagnation

5. Zweiter Einwand: Bevölkerungsstagnation in den Industrienationen

6. Schlussbemerkungen

 

 

Vorbemerkung

 

Wirtschaftswissenschaftler bemühen sich im allgemeinen um Theorien, welche zu klären versuchen, wie es zu den unerwünschten Ereignissen wie Arbeitslosigkeit, Inflation, Stagnation im wirtschaftlichen Wachstum, Armut in großen Teilen der Bevölkerung und starker Differenzierung in den Einkommen kommen kann und mit welchen Maßnahmen diese Ereignissen erfolgreich bekämpft werden können. Aber bisweilen befassen sich Wissenschaftler auch mit der Entwicklung von Theorien, deren Ergebnisse gar nicht ernst gemeint sind und die allein aus der Freude am Argumentieren entstanden sind.

 

Ich erinnere mich noch sehr genau: Zu Beginn meiner wissenschaftlichen Laufbahn wurde ich eines Tages zum wirtschaftswissenschaftlichen Seminar Ottobeuron eingeladen, einem Gesprächskreis, welchem Wirtschaftswissenschaftler angehörten, welche sich dem Keynesianismus verpflichtet fühlten oder zumindest den Gedankengängen der Keynes-Schule nahe standen und die dieses Forum dazu benutzten, neue Gedankengänge einem kleineren Kreis von gleichgesinnten Kollegen vorzutragen und erstmals vor einer Veröffentlichung zur Diskussion zu stellen.

 

Es gab jedoch in diesen Gesprächen nicht nur die Auseinandersetzung mit ernsten Themen, es gehörte vielmehr zum guten Ton, jeweils an den Abenden, an denen man zum gemütlichen Teil übergegangen war, etwas Humoristisches vorzutragen.

 

So hatte z. B. Wilhelm Krelle an einem solchen Abend eine wissenschaftliche Abhandlung gehalten, in der mit den Mitteln der exakten mathematischen Wissenschaft versucht wurde nachzuweisen, dass die Summe aus ‚1 + 1’ genau ‚2’ ergebe. Wilhelm Krelle gehörte bekanntlich zu den Wirtschaftswissenschaftlern, welche ihre Überlegungen vorwiegend in streng formalen mathematischen Gleichungen vortrugen; es war deshalb auch kein Wunder, dass sich Krelle für diesen humoristischen Vortrag ein Thema aus dem Bereich der elementaren Mathematik ausgesucht hatte.

 

Es waren noch die Zeiten, in denen die wissenschaftlichen Vorträge nicht durch Computeranimationen unterstützt wurden, noch wurden bereits vorgefertigte Folien verwandt, deren Inhalt an eine weiße Wand geworfen wurde. Vielmehr bemühten sich damals die Dozenten mit Kreide und schwarzen Tafeln ab, man sah im allgemeinen nur den Rücken des Dozierenden, und nur zu Beginn und am Ende des Vortrags bekamen die Zuhörer auch das Gesicht des Vortragenden zu sehen.

 

Wilhelm Krelle ging also zu einer großen Tafel, welche eigens zu diesem Zwecke in den Saal hereingetragen worden war, nahm eine weiße Kreide auf und füllte die Tafel in kurzer Zeit mit einer Vielzahl von untereinander hingeschriebenen Formeln. Ganz oben auf der Tafel wurde das Ergebnis, das es mit hochwissenschaftlichen Methoden zu beweisen galt, hingeschrieben, also die Gleichung:

 

1 +1 = 2 ?

 

und diese Gleichung – damit man sie ja im Auge behält – mehrfach unterstrichen.

 

Es folgte nun eine ganze Reihe von Umwandlungen dieser Gleichung, in dem die beiden Glieder dieser Gleichung – also die beiden ‚1’ mehrfach durch etwas kompliziertere Ausdrücke, die jedoch mit dem zu ersetzenden Term identisch waren, ersetzt, bzw. um einen etwas mehr wissenschaftlich angehauchten Ausdruck zu verwenden, substituiert.

 

Bald standen sehr viel komplexere und deshalb auch weniger übersichtliche Ausdrücke an der Tafel und da immer wieder neue Substitutionen stattfanden, war die Tafel auch seht bald mit einer Fülle von untereinander geschriebenen Formeln bedeckt. Anstelle zweier einfacher Zahlen erschienen immer komplexere Terme, es wurden zahlreiche Klammern und Unterklammern benutzt, Ausdrücke standen in Brüchen, immer mehr Wurzeln und Logarithmen waren an der Tafel zu sehen.

 

Da Wilhelm Krelle nur eine Tafel zur Verfügung stand und da der Beweis noch lange nicht erbracht war, als Krelle das untere Ende der Tafel erreicht hatte, musste ganz schnell die Tafel mittels eines großen Lappens, der zumindest in diesem Augenblick noch sauber war, leer gewischt werden.

 

Krelle fuhr fort, er verzichtete darauf, die Eingangsgleichung nochmals hinzuschreiben. Schließlich waren seine Zuhörer hochgebildete Gelehrte, von denen man erwarten konnte, dass sie sich die zu beweisende Gleichung im Kopf merken konnten. Es ging also mit den Ersetzungen weiter und weiter und irgendwann ­– ich weiß nicht mehr bei welcher Tafel, sagen wir etwa bei der dritten Abfolge – war sozusagen der Höhepunkt der Abhandlung erreicht, es ging nun dem Ende entgegen, das natürlich noch lange nicht erreicht war, aber immerhin änderte sich nun das Verfahren der Umwandlung der einzelnen Gleichungen; es wurde nun nicht mehr ein Term nach dem andern ersetzt, sondern Krelle ging nun daran, aufzuzeigen, dass auf den beiden Seiten der Gleichungen zum Teil gleiche Terme standen, die aus der Gleichung herausgekürzt werden konnten.

 

Während im ersten Teil die Gleichungen immer länger und unübersichtlicher wurden, erfolgte nun das Gegenteil, die Gleichungen wurden immer kürzer und damit auch übersichtlicher. Langsam begann der Zuhörer des Ende zu erahnen und mitzubekommen, dass in der Tat auf beiden Seiten – auf der linken wie auf der rechten Seite der Gleichung identische Terme zu stehen kamen. Oder auch nicht ???

 

Das Schlussergebnis hatte nämlich einen Schönheitsfehler. In seinem den Vortrag abschließenden Satz verkündete Krelle, dass damit eindeutig mit wissenschaftlich exakten Mitteln bewiesen sei, dass eins plus eins gleich nun nicht genau, sondern eben nur ungefähr, das heißt aufgerundet die Zahl zwei ergebe. Der Beweis zeigte nämlich, dass die Summe zweier Einsen  – ich kann die genaue Zahlenfolge nicht mehr genau erinnern – sagen wir deshalb einfach 1,99998766  (für den Fall, dass man sich bewusst auf acht Nachkommastellen beschränkt) – ergab.

 

Der Schönheitsfehler lag natürlich darin, dass man eigentlich erwartet hätte, dass eins und eins genau und exakt ‚zwei’ ergäbe. Schließlich wissen wir doch alle und haben es in der Grundschule gelernt: eins und eins ist zwei, und nicht etwa nur aufgerundet zwei. Andererseits liegt natürlich gerade in der Tatsache, dass dieses komplizierte Verfahren nicht zu einem eindeutigen Ergebnis, nämlich einer zwei gelangt ist, der eigentliche Clou dieser Abhandlung. Hätte die Beweisführung ergeben, dass eins plus eins tatsächlich exakt einer Zwei entspräche, so wäre dieses Ergebnis sehr ernüchternd und gar nicht aufregend gewesen. Schließlich hatten wir dies ja seit Schulbeginn gewusst, niemand hatte auch dieses Ergebnis jemals ernsthaft in Zweifel gezogen und man hätte in diesem Falle mit Recht die Frage erhoben, welchen Zweck denn eigentlich diese Beweisführung habe.

 

Da aber gerade das offensichtliche uns allen bekannte Ergebnis nicht aus diesen Ableitungen herauskam, stand jeder Zuhörer vor der Frage, wie denn dies sein konnte, war er nicht der Überzeugung, dass jeder einzelne Schritt, sowohl bei der Substitution als auch beim Herauskürzen identischer Terme korrekt war? Aber gerade dies konnte nicht sein, denn wenn alle Schritte korrekt gewesen wären, dann hätte auch das Ergebnis lauten müssen, dass eins plus eins exakt der Zahl Zwei entspreche.

 

Also war in der Ableitung Herrn Krelle – natürlich mit Absicht – irgendein Fehler unterlaufen und die einzelnen Zuhörer waren nun damit beschäftigt, heraus zu finden, bei welchem Schritt (oder vielleicht auch bei welchen Schritten) ein oder mehrere Flüchtigkeitsfehler gemacht worden war bzw. waren. Die einzelnen Zuhörer kamen so doch auf ihre Kosten und hatten das intellektuelle Vergnügen, den Fehler selbst herauszufinden. Und sie mussten am Ende zugeben, dass sie trotz des Anscheins einer recht banalen Beweisführung etwas dazu gelernt hatten, dass offensichtlich bestimmte Substituierungen oder auch Kürzungen doch nicht immer gemacht werden dürfen, auch wenn es den Anschein hat, dass diese Verfahren korrekt seien.

 

 

2. Allgemeine Merkmale einer Theorie des gehobenen Blödsinns

 

Dieses im ersten Abschnitt gebrachte Beispiel weist bereits die wichtigsten Merkmale einer Theorie des gehobenen Blödsinns auf. Als erstes ist es wichtig, dass das Ergebnis einer solchen Abhandlung uninteressant ist. Es kommt nicht auf das Ergebnis an, sondern auf die Art und Weise, wie argumentiert wird. Der Weg ist hier bereits das Ziel.

 

Entweder handelt es sich – wie beim oben gezeigten Beispiel – um eine Banalität, man will also beweisen, dass eins plus eins zwei ergibt, also etwas ableiten, was gar nicht bewiesen werden muss, weil es für jeden selbstverständlich ist. Oder aber es handelt sich zwar um eine wichtige, auch gar nicht bereits gelöste Frage; hier will man jedoch keinesfalls einen Beitrag zur Klärung dieses Problems beitragen, das Ergebnis kann richtig oder auch falsch sein, darauf kommt es hier gar nicht an, es ist vielmehr die Art und Weise, wie man angeblich zu diesem Ergebnis gelangt, was zählt.

 

Bereits im griechischen Altertum gab es Rhetorik-Schulen, die den Ehrgeiz hatten, ihre Schüler zu befähigen, über jedes mögliche Thema zu sprechen. Über jedes beliebige Thema kann aber wohl niemand eine befriedigende und erschöpfende Antwort geben. Es ging hierbei auch gar nicht darum, die jeweilige Zuhörerschaft zu überzeugen, sondern eher mit Hilfe von Tricks, die gemeinhin sonst von Zauberern angewandt werden,  zu überreden.

 

Die Schüler sollten sich in diesen Zirkeln darin schulen, auch dann mit Erfolg ein Thema zu bestreiten, wenn man keine überzeugenden Argumente für das zu behandelnde Thema kannte, wenn man also – wie man sagt – schlechte Karten besitzt. In Streitgesprächen wurden dann den Schülern die Verteidigung einer bestimmten These aufgetragen, wobei man auch oder gerade Positionen verteidigen musste, von denen man selbst nicht überzeugt war.

 

Wichtig war eben nur, dass die Schüler lernten, wie man die Verteidigung einer Position aufbauen muss und dass auch dann, wenn nur wenige Argumente für die eigene Position sprechen, eine geschickte Vorgehensweise doch noch zum Erfolg führen kann.

 

Natürlich wird man die Absicht dieser Schulen, den Partner auch dann für die eigene Position zu überreden, wenn diese Position eigentlich nach eigener Überzeugung falsch war, nicht gerade als wünschenswert bezeichnen; und wenn ich über die heutigen Versuche zu einer Theorie des gehobenen Blödsinns spreche, so steht sicherlich dieses Bemühen, die Zuhörer von seinem eigenen Standpunkt – gegen besseres Wissen – zu überzeugen, zumindest nicht im Vordergrund der Betrachtung. Immerhin hatten diese Rhetorik-Schulen ein Gutes, sie entwickelten Techniken, wie man die Verteidigung seiner eigenen Position bestmöglich, das heißt so effizient wie möglich  aufbauen kann.

 

Gemeinsam ist den Theoretikern des gehobenen Blödsinns mit den alten Rhetorik- Schulen die Freude am Argumentieren. Man will hier jedoch keinesfalls dem Zuhörer  schaden, ganz im Gegenteil, soll ein solcher Vortrag zur Freude und Belustigung der Zuhörer dienen.

 

Vielleicht ist in dem einen oder anderen Fall auch ein gewisser Schuss Selbstironie dabei, in dem sich der Vortragende selbst ‚auf die Schippe nimmt’. Ein überzeugter Mathematiker mag auf diese Weise zugeben, dass er oder seine Kollegen bisweilen mit der Formalisierung ihrer Argumente übertreiben, dass oft ein zu starkes Geschütz aufgefahren wird und dass der betriebene formale Aufwand der Darstellung in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis steht, das bewiesen werden soll. Nochmals: Um nachzuweisen, dass ‚eins plus eins’ zwei ergibt, braucht man nun wirklich nicht 4 bis 5 Tafeln – gefüllt mit hoch komplizierten Gleichungen ­– einsetzen.

 

Vielleicht will man in dem einen oder anderen Fall die Zuhörer auch etwas beschämen. In dem oben erwähnten Beispiel folgten ja wohl die Zuhörer jedem einzelnen Schritt, obwohl ja – wie das Ergebnis gezeigt hatte – zumindest einer dieser vorgeführten Schritt einen Denkfehler aufwies und falsch war. Hätten die Zuhörer jedoch diesen Fehler sofort erkannt, hätten sie natürlich sofort protestiert und den Vortragenden – vielleicht mit etwas Schadenfreude – darauf hingewiesen, dass ihm ein Fehler unterlaufen sei.

 

Tatsächlich ging jedoch dieser Kelch an dem Vortragenden vorbei, die Zuhörer hatten den Fehler nicht bemerkt, sie waren bis fast zum Ende der Argumentationskette der Überzeugung, dass die dargebotenen Ableitungen korrekt verliefen.

 

Natürlich bleibt es auch hier nicht bei der Schadensfreude darüber, dass die Zuhörer auf die Argumentation hereingefallen sind. Schließlich aber hat auch der Zuhörer zu guter Letzt einen Gewinn. Er hat gelernt, dass man den Argumentationsketten nicht leichtgläubig folgen darf, dass auch dort ein guter Schuss Skepsis angebracht ist, wo auf den ersten Augenschein eine Argumentation fälschlicher Weise zu stimmen scheint. Aber: Ende gut alles gut, der Beschämung folgt die Belehrung.

 

Der Zuhörer hatte kurzfristig Freude an der Argumentation, er hatte ja zunächst noch nicht erkannt, dass er hereingelegt wurde, seine anfängliche Freude war also zunächst unbeschwert. Erst gegen Ende, als er erkannte, dass das Ergebnis offensichtlich falsch war, kam vielleicht ganz kurz die Verärgerung darüber, dass er getäuscht wurde, aber diese Verärgerung wurde schnell wieder vergessen, da sich ja seine langfristige Position alles in allem sogar verbessert hatte. Er hat gelernt, einem Vortragenden skeptischer als bisher zu folgen.

 

Nun werden wir in dem nächsten Abschnitt, in dem ein weiteres Beispiel einer solchen Theorie des gehobenen Blödsinns ausführlich in allen Einzelschritten vorgestellt werden wird, sehen, dass es auch andere Muster einer solchen Abhandlung gibt. Es ist nicht wichtig, ob das Ergebnis der Abhandlung wie im ersten Beispiel eine Banalität darstellt, es ist durchaus auch möglich, dass es sich im Grunde genommen um ein sehr ernstzunehmendes und keinesfalls bereits gelöstes Problem handelt.

 

Auch ist es nicht notwendig, um unter diese Kategorie von Abhandlungen zu fallen, dass das dargebotene Ergebnis falsch ist, obwohl vieles dafür sprechen mag, dass dieses Ergebnis nicht stimmen wird. Wichtig in diesem Zusammenhang ist allein, dass es dem Vortragenden nicht darauf ankommt, ein bestimmtes Ergebnis vorzulegen, er selbst dürfte im allgemeinen gerade nicht der Meinung sein, dass dieser aufgezeigte Zusammenhang tatsächlich besteht und dass damit die Wissenschaft einen Schritt weiter gebracht wurde.

 

Es geht vielmehr immer allein um die Art der Argumentation und um die Freude, welche die gewählte Darstellungsweise dem Zuhörer und gleichermaßen dem Vortragenden einbringt. Wenn man schon in dieser Abhandlung eine ‚tiefere’ Wahrheit zu finden sucht, dann liegt der Augenmerk nicht auf dem angeblich nachgewiesenen Ergebnis, sondern darin, dass man die Vorgehensweisen der Wissenschaftler darstellen und zumeist auch parodieren möchte.

 

Jede Beweisführung besteht aus drei Teilen: erstens der Tatsache oder dem Ereignis, welche es zu beweisen gilt (= die Hypothese oder Problemgröße), zweitens aus der Tatsache oder auch dem Ereignis, mit dem der zu beweisende Teil erklärt werden soll, auf das also die hier zur Diskussion stehende Hypothese zurückgeführt werden soll (= Datengröße des hier angewandten Modells) und drittens schließlich aus dem eigentlichen Zusammenhang, welcher die Verbindung zwischen Hypothese und Daten herstellt (= die eigentliche Theorie).

 

Hierbei kann sich die Beweisführung entweder auf einen logischen oder aber auch auf einen faktischen Zusammenhang stützen. Sogar ist es möglich, dass die Beweisführung auf metaphysische Wahrheiten zurückgreift. Jede dieser Teile kann selbst wiederum in einem einzelnen Tatbestand oder aber auch aus einer Vielzahl von Elementen bestehen.

 

Bei einer ernstzunehmenden Abhandlung gelten stets alle drei Elemente als wahr. Man wird nur die Probleme untersuchen, die auch in der Realität tatsächlich entstanden sind oder zumindest entstehen können. Die in die Theorie eingeführten Daten müssen ebenfalls der Wirklichkeit entsprechen, denn nur dann handelt es sich um eine ernstzunehmende Beweisführung, schließlich liegt der eigentliche Kern der Beweisführung darin, dass ein tatsächlich vorliegender Zusammenhang zwischen Hypothese und Ergebnis hergestellt wird. Zumindest für die empirischen Wissenschaften kommt noch hinzu, dass metaphysische Thesen nicht in die Beweisführung eingehen dürfen, da die empirischen Wissenschaften über keine Methoden verfügen, mit deren Hilfe metaphysische Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden können.

 

Auf ein weiteres ist hinzuweisen. Der bloße Umstand, dass eine Korrelation zwischen der zu beweisenden Hypothese und den vorgelegten Daten besteht, ist nicht Beweis genug, dass tatsächlich zwischen den Problemgrößen und den Datengrößen ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Irgendwann wurde z. B. für den Raum Schleswig-Holstein eine hohe Korrelation zwischen der Geburtenrate und der Anzahl der Störche nachgewiesen. Dies bedeutete natürlich nicht, dass damit die im Allgemeinen als Märchen eingestufte These, dass Kinder von Störchen in die Familien gebracht würden, doch der Wirklichkeit entspreche.

 

Vielmehr lässt sich diese aufgezeigte Korrelation damit erklären, dass zwischen den in Frage kommenden Variablen vielfache Beziehungen bestehen. So lässt sich das gleichzeitige Absinken in den Geburtenraten und in der Zahl der lebenden Störche durchaus damit erklären, dass die Zahl der Geburten zunächst mit dem materiellen Wohlstand zurückging, dass aber der materielle Wohlstand mit einer Verstädterung einherging, welche den Störchen den Lebensraum beschnitt.

 

Charakterisiert man hingegen die Abhandlung ganz bewusst als Blödsinn, so kann jede dieser drei Teile der Beweisführung falsch sein, zumindest ein Teil darf jedoch nicht der Wirklichkeit entsprechen, da ja sonst eine ernstzunehmende Abhandlung vorliegen würde. Auch ist es hier durchaus erlaubt, zur Beweisführung auf metaphysische Thesen zurückzugreifen, schließlich ist der Umstand, dass diese Aussagen nicht empirisch überprüft werden können, für die Beweisführung unerheblich, es wird ja hier eben gerade nicht der Anspruch erhoben, dass die vorgelegten Beweise entsprechend einer ernstzunehmenden Forschung auch wahr sind.

 

Nehmen wir nochmals das oben erwähnte Beispiel. Diese Hypothese entstammte aus dem Bereich der logischen Zusammenhänge. Hier gingen wir von einer wahren Hypothese aus, denn eins plus eins ergibt tatsächlich zwei. Weiterhin waren die in der Beweisführung eingesetzten mathematischen Regeln der Substitution und des Herauskürzens grundsätzlich als wahr angenommen. Nur die Beweisführung war natürlich zumindest an einer Stelle falsch, es wurde also substituiert, wo gar keine Substitution möglich war, bzw. wurden zwei Teile herausgekürzt, welche nur zum Schein, aber nicht in Wirklichkeit miteinander übereinstimmten.

 

 

3. Die hier zu untersuchende Hypothese

 

Wenden wir uns nach diesen Vorbemerkungen dem eigentlichen Inhalt dieses Artikel zu, nämlich einer Abhandlung über den Einfluss der Schädlingsbekämpfung auf das erschreckende Ansteigen der Weltbevölkerung in den letzten Jahrzehnten. Natürlich soll es sich hier nicht um eine ernstzunehmende Abhandlung, sondern eben um gehobenen Blödsinn handeln.

 

Am Anfang dieser Abhandlung steht die zu beweisende Hypothese. Wir gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung in den Letzen Jahrzehnten in besorgniserregender Weise angestiegen ist, eine Feststellung, welche durchaus den Tatsachen entspricht.

 

 Wir führen diese Bevölkerungsexpansion auf die Schädlingsbekämpfung der letzten Zeit zurück, wiederum stellt die Schädlingsbekämpfung einen Tatbestand dar, der ohne Zweifel gegeben ist. Dass aber ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen besteht, wird in der Wissenschaft wohl von niemand ernsthaft behauptet, hier beginnt also der gehobene Blödsinn.

 

Die Beweisführung bedient sich der Lehre der Wiedergeburt, welche bekannter Weise insbesondere vom Buddhismus gelehrt, von den christlichen und islamischen Religionen aber strikt abgelehnt wird.

 

Nach dieser Lehre – so soll in dieser Abhandlung unterstellt werden – unterliegen alle Lebewesen, Menschen wie Tiere, nach ihrem Tode der Wiedergeburt. Der Tod bedeutet somit nicht das endgültige Ende eines Lebewesens, sondern bringt ein Lebewesen lediglich in einen andern Zustand.

 

Für diese Lehre der Wiedergeburt ist nun entscheidend, dass es verschiedene Stufen des Bewusstseins gibt; ein Lebewesen kann sich auf einer sehr niedrigen Stufe oder aber auf einer sehr hohen Stufe befinden. So befinden sich Insekten auf einer der niedrigsten Stufen des Lebens, Menschen hingegen auf einer der höchsten Verwirklichungsstufen.

 

Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass die Lebewesen nicht einfach nur in zwei Stufen (Mensch und Tier) eingeteilt werden, dass es vielmehr eine Vielzahl von ineinander übergehender Stufen gibt, so können auch die Menschen innerhalb des Menschseins bei der Wiedergeburt auf eine andere, aber immer noch menschliche Stufe wechseln.

 

Es gibt auch eine eindeutige Hierarchie dieser Lebensstufen, die Insekten stehen auf der untersten Stufe, die Menschen auf den höchsten Stufen, wobei eindeutig bei der Wiedergeburt von einem Auf- und Abstieg gesprochen werden kann, der nicht nur eine Tatsache feststellt, sondern zugleich einer Bewertung gleichkommt. Es ist also das Ziel oder die Sinngebung eines jeden Lebewesens schließlich zur höchsten Stufe aufzusteigen. Das Ziel der Menschen besteht dann darin, nach einer Vielzahl von Wiedergeburten schließlich die höchste Stufe der Vollkommenheit zu erreichen.

 

Durch welche Ereignisse wird nun der Auf- und Abstieg einzelner Lebewesen bestimmt? Zumindest für die Menschen gilt, dass sie nach ihrem Tun und Lassen beurteilt werden, sie sind frei und haben die Möglichkeit, sich für das Gute und Richtige zu entscheiden oder Böses zu tun. Sittlich gute Handlungen werden quasi dadurch belohnt, dass der einzelne nach seinem Tode in der Hierarchie der Lebensstufen aufsteigt, sich also der Endstufe nähert. Umgekehrt wird schlechtes Verhalten gegenüber Mitmenschen und Tieren quasi dadurch bestraft, dass sie nach dem Tode die Hierarchieleiter nach unten fallen.

 

Hierbei kann durchaus davon ausgegangen werden, dass man unterschiedliche Grade des Gutseins und des Schlechtseins unterscheiden kann und dass es deshalb durchaus möglich ist, dass ein einzelner nach seinem Ableben mehrere Stufen aufsteigt oder abfällt. Wir wollen sogar unterstellen, dass für besonders brutale und grausame Taten ein einzelner Mensch auf die unterste Stufe der Lebensformen fallen kann, also zum Insekt wird, und dass umgekehrt eine besonders heilige, mustergültige Lebensweise schließlich damit belohnt wird, dass das betreffende Individuum nach dem Tode die höchste Form des Lebens erreicht.

 

Es wird weiterhin unterstellt, dass ein Mensch, der die höchste Stufe dieser Leiter erreicht hat, dann wenn er sich in seinem letzten Leben nach wie vor nichts zu Schulden kommen ließ, die Kette der Wiedergeburt sprengen kann, er hat sein Ziel erreicht und muss nicht mehr damit rechnen, dass er weitere Leben zu durchschreiten hat. Die Tatsache der Wiedergeburt wird also hier nicht unbedingt als etwas Positives und Schönes angesehen und es ist keineswegs aus der Sicht des Einzelnen erwünscht, möglichst oft wiedergeboren zu werden, vielmehr wird die Tatsache der Wiedergeburt eher als eine Art Bewährung angesehen und je schneller ein Individuum die letzte Stufe der Lebensweise erreicht hat, umso eher hat er auch sein letztes Ziel und seine Sinnbestimmung erreicht.

 

Nun gelten diese Überlegungen über das Auf- und Absteigen auf der Hierarchieleiter zunächst nur für die Menschen, also für Lebewesen, die bereits auf einer sehr hohen Lebensstufe angekommen sind. Für Tiere unterstellen wir im allgemeinen, dass sie über keinen freien Willen verfügen, sie tun, was sie tun, nicht aus freier Entscheidung, sondern allein deshalb, weil sie durch ihre Triebe dazu getrieben werden, sie machen das, was sie tun, aus Instinkt. Also kann der Auf- oder Abstieg bei den nichtmenschlichen Lebewesen auch nicht davon abhängen, wie sie sich im vorhergehenden Leben verhalten haben. Ihre Natur legt fest, wie sie sich verhalten, sie können deshalb auch nicht für ihr Verhalten bestraft (oder belohnt) werden, mag das tatsächliche Verhalten nach menschlichen Maßstäben noch so sehr als grausam und boshaft (oder als besonders mustergültig und gütig) eingestuft werden.

 

Was bestimmt aber dann Aufstieg und Abfall bei den tierischen Lebewesen? Nun haben wir davon auszugehen, dass bei einer schlechten Tat immer zwei Gruppen von Lebewesen beteiligt sind: die Täter und diejenigen, welchen durch diese Tat Schaden zugefügt wird. Wir können nun unterstellen, dass immer dann, wenn einem Lebewesen – gleichgültig ob es sich um einen Menschen oder um ein Tier handelt – Schaden zugefügt wird, dieses Lebewesen nach seinem Tode in der Leiter der Lebensstufen aufsteigt. Und wir können weiterhin davon ausgehen, dass dann, wenn einem Lebewesen ein besonders großer Schaden zugefügt wird, wenn es also z. B. auf besonders brutale Weise hingeschlachtet wurde, dass dann auch ein Tier, das sich vor seinem Tode auf den untersten Stufen der Lebensformen befand, bei der Wiedergeburt viele Stufen dieser Leiter überspringt und sofort in einem Schritt eine menschliche Lebensform erreichen kann.

 

Nun haben wir im Wesentlichen alle Bausteine zusammen, die zu unserer Beweisführung, dass die weltweite und bedrohliche Bevölkerungsexpansion auf eine massenweise durchgeführte Schädlingsbekämpfung zurückzuführen ist, notwendig sind. Mit der Schädlingsbekämpfung werden Insekten und andere Tiere, welche auf einer der untersten Stufen des Lebens stehen, auf besonders brutale Weise vernichtet, sie erreichen also entsprechend der oben dargelegten Lehre der Wiedergeburt nach ihrem Tode sofort die Stufe eines menschlichen Lebens.

 

Und da diese Vernichtung von Schädlingen in den letzten Jahrzehnten massenweise vorgenommen wurde, muss auch notwendigerweise die menschliche Bevölkerung rapide ansteigen, denn jedes besonders brutal getötete Insekt steigt ja annahmegemäß nach seinem Tode bei der Wiedergeburt zu einem menschlichen Wesen auf.

 

Nebenbei bemerkt: In den letzten Jahren ist man dazu übergegangen, nicht nur zur Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft Insekten massenweise zu vernichten, man bekämpft neuerdings die Gefahr von Seuchen und Epidemien damit, dass man in weitem Umkreis der Orte, bei denen durch Viren verseuchte Tiere vereinzelt festgestellt wurden, alle Nutztiere wie Hühner, Gänse, aber auch Kühe und Schafe massenweise abschlachtet.

 

Auch dies stellt natürlich aus der Sicht der betroffenen Tiere eine besonders brutale Tötung dar, die entsprechend der Lehre von der Wiedergeburt notwendigerweise ebenfalls dazu beiträgt, dass sich die Zahl der menschlichen Lebewesen dramatisch erhöht. Wir wollen es bei dieser Feststellung belassen, schließlich ist die Bekämpfung von Epidemien nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

 

 

4. Erster Einwand: Falscher Ort der Bevölkerungsstagnation

 

Eine Abhandlung, welche den Versuch unternimmt, einen bestimmten Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen oder Tatbeständen aufzuzeigen, darf sich natürlich nicht darauf beschränken, diesen Zusammenhang plausibel zu machen; sie muss darüber hinaus auch überprüfen, ob die hier entwickelte Theorie nicht unter Umständen mit anderen tatsächlich beobachteten Gegebenheiten in Widerspruch gerät. In unserem Zusammenhang gibt es vor allem zwei Tatsachen, die auf den ersten Blick in der Tat mit unserer hier entwickelten These in Widerspruch geraten könnten.

 

Erstens können wir feststellen, dass die Gegenden, in denen eine drastische Bevölkerungszunahme stattfindet und in denen eine massenweise Vernichtung von Schädlingen durchgeführt wurde, nicht zusammenfallen. Die Bevölkerungszunahme findet vorwiegend in den Ländern der Dritten Welt statt, während die Schädlingsbekämpfung vorwiegend in den hochindustrialisierten Volkswirtschaften zu beobachten ist. Müsste aber entsprechend der Lehre von der Wiedergeburt die Bevölkerungszunahme nicht notwendigerweise in den Ländern stattfinden, in denen auch die Schädlinge bekämpft werden, stellt nicht der Umstand, dass die Bevölkerungszunahme in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die Schädlingsbekämpfung jedoch in den hochindustrialisierten Ländern stattfindet, bereits eine Widerlegung unserer These dar?

 

Wir haben zweitens nicht nur eine weltweite Bevölkerungsexpansion festzustellen, gleichzeitig kann beobachtet werden, dass in den industrialisierten Volkswirtschaften eine gegenteilige Bevölkerungsentwicklung stattfindet, die Bevölkerungszahlen steigen in diesen Ländern keinesfalls an, sie stagnieren oder schrumpfen sogar. Wir haben zu untersuchen, ob diese Tatsachen nicht unserer hier entwickelten Hypothese widersprechen.

 

Befassen wir uns zunächst mit dem erstgenannten Einwand. Um diesen auf den ersten Blick vorhandenen, aber scheinbaren Widerspruch aufzulösen, führen wir innerhalb der Lehre von der Wiedergeburt eine weitere Hilfshypothese ein.

 

Wir gehen davon aus, dass die räumliche Dimension lediglich für das Leben auf der irdischen Welt Gültigkeit hat. Mit dem Tode überschreitet jedoch ein Lebewesen die Grenze zwischen irdischem und nichtirdischen Zustand. Für die Frage, wo das wiedergeborene Lebewesen wiederum in die irdische Hülle eintaucht, ist es unerheblich, an welchem irdischen Ort das bisherige Lebewesen gestorben ist. Im nichtirdischen Bereich kann wegen der Unerheblichkeit der räumlichen Dimension das Lebewesen an jeder Stelle in den irdischen Raum wieder einsteigen.

 

Damit ist aufgezeigt, dass die Lebewesen nicht unbedingt dort wiederum zur Welt kommen müssen, wo sie gestorben sind. Es ist also auch kein Widerspruch mehr, dass in den hochindustrialisierten Ländern die Insekten abgetötet werden und dass diese Lebewesen dann bei ihrer Wiedergeburt in den Ländern der Dritten Welt auftauchen.

 

Damit ist allerdings noch keinesfalls geklärt, welche Gesetzmäßigkeiten letztendlich bestimmen, in welchen Gebieten die wiedergeborenen Lebewesen wieder zur Welt kommen. Würde der Zufall über diese Frage entscheiden, müsste man erwarten, dass sich die Wiedergeborenen auf lange Sicht gleichmäßig über die Erde verteilen. Genau dies ist jedoch nicht der Fall, die Wiedergeburten konzentrieren sich eindeutig auf die Länder der Dritten Welt, in den hochindustrialisierten Ländern vor allem Europas geht ja sogar die Bevölkerungsstärke zurück.

 

Nun läge es vielleicht nahe, zu unterstellen, dass die wiedergeborenen Lebewesen genau dort wiederum zur Welt kommen, wo sie die besten Lebensverhältnisse vorfinden. Wenn wir diese zu erwartenden Lebensverhältnisse an einem materiellen Maßstab messen und danach z. B. fragen, in welchen Regionen das reale Pro-Kopf-Einkommen am höchsten ist, müssten die hochindustrialisierten Staaten und eben nicht die Länder der Dritten Welt von einer Bevölkerungszunahme betroffen sein. Dies ist aber nicht der Fall. Vermutlich ist offensichtlich das Pro-Kopf-Einkommen kein brauchbarer Maßstab dafür, an welchen Regionen die Wiedergeburten vorwiegend stattfinden, es handelt sich hierbei ja um einen rein irdischen Maßstab der für das metaphysische Problem der Wiedergeburt und für die Frage nach dem Sinn des Lebens keine Rolle spielen dürfte.

 

Wir wollen unterstellen, dass im Hinblick auf die Frage nach der räumlichen Verteilung der Wiedergeburten ein Gesetz des Ausgleichs in dem Sinne besteht, dass die Wiedergeburten vorwiegend in den Räumen mit der geringsten Bevölkerungsdichte stattfinden. Damit wäre erklärt, dass vor allem China und auch die afrikanischen Staaten von der Bevölkerungsexplosion besonders betroffen stark sind.

 

Die massenweise Schädlingsbekämpfung bedeutet allerdings in dem von uns behandelten Zusammenhang nicht nur, dass Lebewesen vernichtet werden und dass deshalb die Anzahl der als Menschen wiedergeborenen Lebewesen ansteigt. Gleichzeitig gilt es ja zu berücksichtigen, dass die Bekämpfung der Insekten eine Tötung bedeutet, sodass diejenigen Menschen, die diese Tötung veranlasst und durchgeführt haben, nach ihrem eigenen Tode heruntergestuft werden dürften und als Lebewesen auf einer niederen Stufe wiedergeboren werden.

 

Nun dürfte dieser zweite Zusammenhang aus mehreren Gründen von geringerer Bedeutung sein als die zunächst besprochene Beziehung. Rein zahlenmäßig sind natürlich bei der Schädlingsbekämpfung sehr viel weniger Menschen als Täter involviert als Insekten vernichtet werden. Schon aus diesen Gründen dürfte die Abstufung bei den Tätern im Vergleich zu der Heraufstufung bei den Insekten zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen; diese Wirkung kann allenfalls die Zunahme der Bevölkerung minimal reduzieren.

 

Es gilt aber zusätzlich zu berücksichtigen, dass das Vergehen im Zusammenhang mit der Schädlingsbekämpfung in wesentlich geringerem Maße zu einer Abstufung führen wird als dies bei Ermordung von Menschen der Fall sein dürfte. Auf der einen Seite dürfte der Umfang einer Abstufung (ob ein Lebewesen also eine oder mehrere Stufen fallen wird) bei Tötung von Lebewesen einer niederen Stufe weit geringer sein als dann, wenn Lebewesen einer höheren Stufe getötet werden. Menschen, die Insekten vernichten, halten sich ja auch nicht als Mörder und werden auch nicht von ihren Mitmenschen als verachtungswürdige Verbrecher angesehen.

 

Auf der anderen Seite dürften auch die Tötungsmotive den Ausschlag darüber geben, in welchem Umfang eine Abstufung erfolgt. Die Schädlingsbekämpfung erfolgt nun nicht etwa aus Freude am Töten, sondern zur Steigerung der Produktivität. Und eine Steigerung der Produktivität in der gesamten Welt kann durchaus dazu beitragen, dass weniger Menschen als bisher aufgrund von Hungersnöten sterben müssen. Nehmen wir nochmals das Beispiel der Vernichtung von Nutztieren im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Seuchen: Hier kann sogar davon gesprochen werden, dass diese Maßnahmen den alleinigen Zweck verfolgen, auf diese Weise die Ausbreitung der drohenden Epidemie abzustoppen.

 

Schließlich gilt es in diesem Zusammenhang noch einmal daran erinnern, dass es nach der Lehre der Wiedergeburt mehrere Abstufungen menschlichen Daseins gibt, sodass auch dann, wenn die Schädlingsbekämpfung bei den Menschen, welche diese durchgeführt haben, eine Abstufung zur Folge hätte, dennoch keine Zunahme bei den Lebewesen der untersten Stufe zu erwarten wäre. Diese Abstufung hätte in diesem Falle nur die Wirkung, dass ein Teil der Menschen bei ihrer Wiedergeburt auf eine zwar niedere, aber immer noch menschliche Stufe absinken würde.

 

Damit sind allerdings keinesfalls bereits alle offenen Fragen geklärt. Es bleibt z. B. unklar, warum gerade auch Indien mit einer überproportional großen Bevölkerungsdichte

von diesem Problem der Bevölkerungsexplosion betroffen ist, weiterhin kann damit nicht erklärt werden, dass auch in den Ländern, welche im Durchschnitt eine relativ geringe Bevölkerungsdichte aufweisen, die tatsächliche Bevölkerungsdichte keinesfalls gleichmäßig über das gesamte Land verteilt ist und dass darüber hinaus das Bevölkerungswachstum vorwiegend in den Großstädten stattfindet, in denen die Bevölkerungsdichte ebenfalls sehr hoch ist.

 

Es gibt noch einen zweiten Grund, weshalb diese Erklärung Fragen offen lässt. Wenn wir nämlich davon ausgehen, dass für die Lebewesen in der Zeit, in der sie bereits gestorben, aber noch nicht widergeboren sind, die räumliche Dimension unerheblich ist, so müsste man eigentlich auch davon ausgehen, dass dies auch für die zeitliche Dimension gilt. Im Allgemeinen geht man ja in der Metaphysik, welche sich mit den nichtirdischen Problemen befasst, davon aus, dass die Dimensionen des Raums und der Zeit nur hier auf Erden gelten.

 

Wenn wir jedoch davon ausgehen müssen, dass auch die Dimension der Zeit für die Frage des Wiedereintretens der Lebewesen in die irdische Hülle unerheblich ist, so bleibt unklar, warum gerade in der Zeit, in welcher die massenweise Schädlingsbekämpfung stattfindet, auch die Bevölkerung rasant ansteigt. Eigentlich hätte man vermuten können, dass genauso, wie die Wiedergeburten nicht in den gleichen Räumen stattfinden, in denen die Schädlingsbekämpfung stattfindet, auch die Bevölkerungsexpansion zu anderen Zeiten stattfindet als die Schädlingsbekämpfung. Aber genau dies ist ja nachweislich nicht der Fall.

 

Nun ist damit natürlich nicht unsere Beweisführung bereits wiederlegt. Es ist ja nur eine Vermutung, dass im Hinblick auf die zeitliche Dimension ähnliche Gesetzmäßigkeiten vorherrschen wie für die räumliche Dimension. Im Hinblick auf die räumliche Dimension führten wir ein Gesetz der Ausgleichstendenz ein. Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass auch im Hinblick auf die zeitliche Dimension von einer ähnlichen Gesetzmäßigkeit ausgegangen werden muss. Vielleicht ist davon auszugehen, dass Lebewesen nicht sehr lange in dem Zwischenstadium zwischen Sterben und Wiedergeburt verharren können und dass es auch aus logischen Gründen ausgeschlossen ist, dass diese Lebewesen in eine frühere, bereits vergangene Zeit eintauchen; in diesem Falle könnte man durchaus davon ausgehen, dass die Wiedergeburt relativ schnell nach dem Absterben eines Lebewesens erfolgen muss.

 

Wie dem auch sei, diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt, sie bleibt offen. Dies ist jedoch nicht weiter für die Gültigkeit der Beweisführung tragisch. Schließlich sind auch im Bereich der ernstzunehmenden Forschung keinesfalls alle Fragen schon geklärt. Auch hier muss man damit rechnen, dass es nach wie vor offene Fragen gibt und dass nicht alle Tatsachen mit den aufgezeigten Gesetzmäßigkeiten erklärt werden können.

 

 

5. Zweiter Einwand: Bevölkerungsstagnation in den Industrienationen

 

Befassen wir uns nun mit dem zweiten Einwand. Wir wollen also überprüfen, ob unsere Beweisführung, dass die seit einiger Zeit zu beobachtende weltweite Bevölkerungsexplosion auf die in letzter Zeit praktizierte massenweise Schädlingsbekämpfung zurückgeführt werden kann, mit der weiteren Tatsache in Einklang steht, dass zur gleichen Zeit, in der weltweit die Bevölkerung ansteigt, in den hochindustrialisierten Staaten insbesondere Europas die Bevölkerung stagniert und sogar zurückgeht.

 

Folgen wir den bisherigen Ausführungen, so kann eine Reduzierung in der Bevölkerung, welche durch einen Rückgang der Geburtenrate ausgelöst wurde, nur auf zweierlei Weise erklärt werden: Entweder war die Lebensführung zahlreicher Menschen so schlecht, dass diese nach ihrem Tode bei der Wiedergeburt herabgestuft wurden und als tierische Lebewesen in das neue Leben eintraten. Oder aber zahlreiche Menschen haben sich so vorbildlich und mustergültig betragen, dass sie die höchste Stufe der Lebewesen bereits erreicht haben und deshalb aus dem Kreis derjenigen ausscheiden, welche dem Zwang der Wiedergeburt unterliegen; denn auch in diesem Falle müsste die Zahl der Geburten und damit der Bevölkerung zurückgehen.

 

Natürlich kann letztere Annahme eines besonders tugendhaften Lebens zahlreicher Menschen sofort wieder verworfen werden, zu offensichtlich ist der Widerspruch in dieser Annahme zu der tatsächlich zu beobachtenden Lebensführung der Menschen. Die Moral der heutigen Menschen hat sich gegenüber früher eher verschlechtert als verbessert, nach wie vor ist die Anzahl der Menschen, die sich wie Heilige verhalten, extrem gering. Aber das Verhalten eines Heiligen müsste schon vorliegen, damit ein Mensch die höchste Stufe der Lebensform erreicht hat.

 

Bleibt also die erstgenannte Möglichkeit, dass wegen schlechter Taten ein Großteil der Menschen bei ihrer Wiedergeburt in der Leiter der Lebenswesen abgestiegen sind. Diese Annahme scheint zwar auf den ersten Blick durchaus mit unserer bisherigen Beweisführung konform zu gehen; wir könnten die Schädlingsbekämpfung als eine schlechte Tat verstehen und vermuten, dass diese Menschen, welche die Schädlingsbekämpfung angeordnet oder durchgeführt haben, eben wegen ihres Verhaltens bei der Wiedergeburt herabgestuft wurden. Dass diese hierdurch ausgelöste Verringerung in der Geburtenrate gerade in den hochindustrialisierten Volkswirtschaften auftritt, passt zu der bisherigen Beweisführung, wird doch Schädlingsbekämpfung vorwiegend in diesen Staaten betrieben.

 

Trotzdem müssen wir bei näherer Untersuchung diese Annahme wieder aufgeben. Wir hatten schon bei der Diskussion des ersten Einwandes (der räumlichen Verteilung der Bevölkerungsexpansion) gesehen, dass zumindest zwei Argumente gegen diese Annahme sprechen. Erstens haben wir gesehen, dass die Zahl derjenigen, welche sich aktiv an der Schädlingsbekämpfung beteiligt haben, so gering ist, dass hiermit allein die starke Abnahme der Geburtenrate in den hochindustrialisierten Staaten nicht erklärt werden kann.

 

Zweitens haben wir auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Schädlingsbekämpfung als eine nicht besonders moralisch verwerfliche Tat angesehen werden muss, die Tötung von Tieren wird allgemein sehr viel nachsichtiger beurteilt als die Tötung von Menschen, auch wird man nicht davon ausgehen können, dass die Schädlingsbekämpfung aus niederen Motiven heraus vorgenommen wurde und deshalb als besonders verwerflich zu gelten habe.

 

Schließlich haben wir gesehen, dass es auch innerhalb der menschlichen Lebewesen Abstufungen gibt, sodass selbst dann, wenn im Zusammenhang mit der Schädlingsbekämpfung eine gewisse Herabstufung einzelner menschlicher Lebewesen zu erwarten wäre, diese Abstufung dazu führen würde, dass die Anzahl der Menschen, welche sich auf den niederen Stufen menschlichen Daseins befinden, ansteigen würde; die gesamte Anzahl der Menschen würde hierdurch jedoch nicht betroffen.

 

Nun konnten wir die bei der Diskussion des ersten Einwandes auftretenden Schwierigkeiten zumindest im Ansatz dadurch überwinden, dass wir eine weitere Hilfshypothese der Lehre von der Wiedergeburt hinzufügten: Wir haben unterstellt, dass die räumliche Verteilung der Wiedergeburten einem Ausgleichsgesetz folgt, wonach die Wiedergeburten vorwiegend in den Gebieten stattfindet, in denen die Bevölkerungsdichte relativ gering ist.

 

Diese Gesetzmäßigkeit kann uns nun helfen, auch die bei der Diskussion des zweiten Einwandes aufgetretenen Schwierigkeiten zu überwinden. Da im Durchschnitt die Bevölkerungsdichte in den hochindustrialisierten Volkswirtschaften wesentlich höher ist als in den Ländern der Dritten Welt, können wir davon ausgehen, dass Geburten vorwiegend in letzteren Staaten zu erwarten sind. Diese Ausgleichstendenz käme auch dann zum Tragen, wenn keine massenweise Schädlingsbekämpfung stattgefunden hätte und wenn deshalb die Bevölkerung der gesamten Welt nicht expandieren würde.

 

Wir haben also im Grunde genommen bei der Beurteilung der Veränderung in der Weltbevölkerung zwei unterschiedliche Prozesse zu unterscheiden. Auf der einen Seite steigt die Weltbevölkerung rasant an, da niedere Lebewesen brutal getötet wurden und weil nach den Regeln der Wiedergeburt brutal getötete Lebewesen für ihre erlittene Pein bei ihrer Wiedergeburt unmittelbar eine menschliche Gestalt annehmen.

 

Unabhängig von diesen Bewegungen verändert sich die räumliche Verteilung der Geburten und damit auch der Weltbevölkerung entsprechend dem Ausgleichsgesetz der Wiedergeburt. Die Geburten treten vorwiegend in den räumlichen Gebieten auf, in denen die Bevölkerungsdichte noch relativ gering ist. Dies kann auch zu einer Verminderung in der Geburtenrate der hochindustrialisierten Ländern führen.

 

 

6. Schlussbemerkungen

 

Zum Abschluss dieser Abhandlung seien mir drei Schlussbemerkungen gestattet.

 

Erstens: Wir haben bereits im zweiten Abschnitt darauf hingewiesen, dass sich nicht ernstgemeinte Abhandlungen bisweilen auch dadurch auszeichnen, dass man gewisse Vorgehensweisen in der Wissenschaft ins Lächerliche ziehen möchte. Nun handelt es sich bei der Lehre von der Wiedergeburt um eine religiös fundierte Lehre, die vor allem vom Buddhismus verbreitet wird. Religiöse Meinungen soll man jedoch nicht ins Lächerliche ziehen, man soll ihnen vielmehr mit Respekt begegnen. Man könnte mir nun vorwerfen, ich habe mit dieser Abhandlung gegen dieses Gebot verstoßen.

 

Zur Rechtfertigung möchte ich darauf hinweisen, dass ja in meiner Abhandlung nicht die Lehre der Wiedergeburt als solche lächerlich gemacht wurde, dass nur der Versuch gemacht wurde, mit Hilfe dieser Theorie einen Zusammenhang zwischen Schädlingsbekämpfung und Bevölkerungsexpansion herzustellen. Wenn überhaupt wird eine Auffassung, welche diese beiden Ereignisse miteinander verknüpft, mit meiner Abhandlung ins Lächerliche gezogen. Meines Wissens geht die buddhistische Lehre jedoch nicht von dem Glauben aus, dass die Schädlingsbekämpfung die Bevölkerungsexplosion ausgelöst habe. Also wird auch nicht die buddhistische Lehre mit diesen Ausführungen in irgendeiner Weise lächerlich gemacht.

 

Der Buddhismus zeichnet sich darüber hinaus auch offensichtlich dadurch aus, dass er nicht überängstlich darüber wacht, ob anders denkende Menschen ihren Glaubensvorstellungen genügend Achtung entgegenbringen. Es waren in der Vergangenheit bis heute vor allem Fanatiker aus einigen christlichen Sekten und aus dem Islam, welche sich über jede noch so kleine satirische Äußerung gegenüber ihrer Religion aufregten und zum Hass gegen Andersgläubige aufriefen. Buddhisten sehen solchen Äußerungen zumeist mit sehr viel mehr Gelassenheit zu.

 

Zweitens: Man könnte eventuell auch einwenden, dass ich in meiner Abhandlung die buddhistische Lehre von der Wiedergeburt falsch wiedergegeben habe. Ein solcher Vorwurf trifft mich jedoch nicht. Es war ja nicht meine Absicht, die vom Buddhismus vorgetragene Lehre von der Wiedergeburt darzustellen und daraufhin eventuell zu kritisieren. Ich habe diese Gedankengänge vielmehr in einer nicht ganz ernstgemeinten Abhandlung eingebaut; wie wir oben bereits gesehen haben, ist wesentliche Voraussetzung dafür, dass Überlegungen in diese Kategorie des ‚gehobenen Blödsinns’, fallen, dass entweder die Problemgrößen oder die Datengrößen oder schließlich der Zusammenhang zwischen diesen beiden Größen nicht der Wirklichkeit entsprechen. Nun ist die in meiner Abhandlung gewählte Problemgröße (die Bevölkerungsexpansion) sowie die Datengröße (die Schädlingsbekämpfung) in Wirklichkeit gegeben.

 

Also muss der Versuch, zwischen diesen beiden Größen eine Verbindung herzustellen, notwendigerweise der Phantasie entnommen worden sein, um überhaupt den Anspruch zu erfüllen, zum ‚gehobenen Blödsinn’ zu zählen. In diesem Falle interessiert es aber auch nicht, ob die von mir dargestellte Lehre der Wiedergeburt der buddhistischen Lehre entspricht oder auch nicht, es kommt eben in dieser Kategorie von Abhandlungen nicht darauf an, bestimmte Hypothesen andersdenkender zu übernehmen, sondern die – eine Verbindung zwischen Problem- und Datengrößen herstellende – Theorie so zu entwickeln, dass es den (äußeren) Anschein erhält, als könne man den behaupteten Zusammenhang schlüssig beweisen, dass aber de facto dieser Zusammenhang erfunden und wahrscheinlich falsch ist. Der Umstand, dass es sich bei der Annahme der Wiedergeburt um eine metaphysische These handelt, bringt es ohnehin mit sich, dass diese These weder verifiziert noch falsifiziert werden kann, zumindest dann, wenn man die Beweisführung mit den Mitteln der empirischen Wissenschaft angehen möchte.

 

Man wird wohl gegen einzelne Teile der Beweisführung mit Recht Einwendungen bringen können. Während jedoch im Rahmen einer ernstzunehmenden Forschung berechtigte Einwände tödlich sein können und die Aufgabe einer mit sehr viel Aufwand betriebenen Theorie nach sich ziehen können – wie viel Wissenschaftler standen schließlich schon am Ende ihres Forscherlebens vor einem Scherbenhaufen  – sind demgegenüber Einwände gegen eine Theorie des gehobenen Blödsinns geradezu harmlos, schließlich wir ja gerade nicht behauptet, dass die dargestellten Zusammenhänge wahr sind, sie stellen belanglose Phantasien dar, die dem bloßen Anschein nach stimmig erscheinen sollten, die aber keinesfalls wahr sein müssen.

 

Ja man wird sogar einen Schritt weitergehen können und darin, dass diese Überlegungen kritisiert und weitergeführt werden, eine Bestätigung sehen, dass auf diese Weise dem eigentlichen Anliegen solcher Abhandlungen entsprochen wird, dass nämlich das Argumentieren geschult wird und dass Freude am Räsonieren erweckt wird.

 

Drittens: Man könnte natürlich diese ganze Art der Argumentation als Blödsinn charakterisieren und aus diesem Grunde diese ganze Abhandlung ablehnen. Hierzu kann ich nur sagen: ‚Quod erat demonstrandum’; für diejenigen, welche nicht des Lateinischen mächtig sind, heißt dies: ‚Was zu beweisen war’. Ich wollte ja mit dieser Abhandlung tatsächlich nichts anderes als eine humoristische Darstellung anbieten und nicht ernsthaft nachweisen, dass die Expansion der Weltbevölkerung tatsächlich irgendetwas mit der Schädlingsbekämpfung zu tun hat.

 

Natürlich ist es richtig, dass Blödsinn, der sich in reinem Blödsinn erschöpft, nichts Wünschenswertes darstellt, hier gilt sicherlich die Meinung Ludwig Wittgensteins, dass man dort, wo man nichts zu sagen habe, schweigen solle. Es gibt genügend Gründe dafür, alles zu unterlassen, was nichts als Blödsinn darstellt. So ist unsere zur Verfügung stehende Zeit ein knappes Gut, das wir effizient einsetzen und nicht vergeuden sollten.

 

Aber wir haben bereits gesehen, dass auch Theorien, welche dem gehobenen Blödsinn zugerechnet werden können, sich nicht in reinem Blödsinn erschöpfen, dass im Allgemeinen in solchen Ausführungen durchaus ein tieferer Sinn und Nutzen liegen kann. Sei es, dass man darauf aufmerksam machen will, dass manche Theorie komplizierter dargestellt wird als es notwendig ist, sei es dass man darauf hinweisen will, dass auch in der ernst gemeinten Wissenschaft der Schein trügen kann und dass man deshalb eine Beweisführung eines anderen immer mit einem guten Schuss Skepsis aufnehmen sollte.

 

Diese Art von Betrachtungsweise dient weiterhin dazu, uns in wissenschaftlich exakter Argumentation zu schulen, kommt also gerade deshalb auch der ernsthaften Forschung letztlich zugute. Schließlich nützt es auch der ernsthaften Forschung, wenn man zwecks Erholung einmal sich zurücklehnen und sich auf diese Weise amüsieren kann. Nach einer solchen Erholung dürfte die Fähigkeit und Bereitschaft zu nützlicher, sinnvoller Forschung umso größer sein.